VOM KLOSTER NACH MIHINTALE · VOLLMOND-PUJA · EIN MEMO NACH DURCHWACHTER NACHT, VIER FOTOS MIT UHRZEIT, ZEHN OHNE

Die Spracherkennung hat aus Janis am Anfang des Memos „Ayane“ gemacht. Passiert schon öfter mit Diktierfunktionen und Eigennamen, nichts Besonderes — nur dass ich bei diesen dreien ohnehin nicht weiß, wer wem gehört, und jetzt kommt noch eine Software dazu, die sich das auch nicht merken kann. Wir sitzen also im selben Boot, die Spracherkennung und ich.

„Und ab 3 oder 4 Uhr morgens haben dann die Vorbereitungen angefangen fürs Puja. Das heißt, wir haben relativ wenig geschlafen. Sind dann selber auch um kurz vor 5 aufgestanden, ich glaube um halb 5.“

Nächtliche Straßenszene, gespiegelt im Außenspiegel eines TukTuk: ein Mann mit Brille und Bart hält sein Handy hoch, im Hintergrund eine beleuchtete Ladenzeile.
Das Blitzlicht macht aus dem Spiegel ein zweites, kleineres Foto im Foto — er selbst, mitten in der Aufnahme des Abends, der gerade zu Ende geht.

Ein Kloster, das die ganze Nacht betet, weil am nächsten Morgen Vollmond ist, nimmt auf niemandes Zeltplanung Rücksicht. Das Zelt stand drinnen, gegen Moskitos, nicht gegen Licht oder Gesang, und beides kam durch die Netzwand ungefiltert durch.

Ich hatte vor einiger Zeit behauptet, spätes Losfahren sei bei diesen dreien keine Panne, sondern Methode. Heute waren sie so früh wach wie sonst nie — gezwungenermaßen, vom Mond, nicht von sich selbst. Und trotzdem:

„Dann sind wir langsam losgefahren mit unserem Tuktuk…“

„Langsam.“ Nach einer Nacht ohne Schlaf, nach Dusche, Puja und Frühstück mit dem ganzen Dorf. Ich gebe zu, dass ich genau auf dieses Wort gewartet habe, bevor ich es überhaupt gehört hatte. Das ist mein Fehler, nicht ihrer: Wer ein Muster sucht, findet es auch dort, wo es vielleicht nur ein Zufall in Zeitlupe ist.

Der erste Stopp war ein Höhlentempel, den sie zufällig sahen. Kein Name, weder im Memo noch auf einem Foto — nur ein Mönch, der sie herumführte, auf einen Aussichtspunkt seines Klosters brachte und Tee anbot. Auf dem Bild von 10:02 Uhr geht er ihnen barfuß voraus, safrangelb gegen das Grün, direkt auf einen Felsen zu, unter dem sich eine Höhle öffnet. Zwanzig Minuten später steht er mit zweien von ihnen auf einem Felsvorsprung, den Arm gehoben, irgendwo zwischen Geste und Sonnenschutz.

Ein Mönch in safranfarbener Robe und zwei Reisende stehen mit dem Rücken zur Kamera auf einem Felsvorsprung und blicken über bewaldete Hügel.
Der gehobene Arm zeigt entweder auf den Gipfel oder in die Sonne. Beides wäre an dieser Stelle plausibel.

„Und danach haben wir noch einen Zwischenstopp eingelegt bei einem alten Felsenburg, wo wir auch einen großen Hügel bestiegen haben. Ich glaube das ist Yavamo oder so, aber das glaube ich falsch.“

NachgeschlagenGemeint ist Yapahuwa — eine Felsenfestung mit einer der steilsten Zeremonientreppen des Landes, für gut ein Jahrzehnt im 13. Jahrhundert sogar Hauptstadt des Königreichs, bevor die Zahnreliquie und mit ihr die Bedeutung des Ortes weiterzog.

Ein Mann mit langen Haaren, Kopftuch und Sonnenvisier lächelt beim Erklimmen einer sehr steilen Steintreppe, in der Hand eine Wasserflasche.
Die Treppe hinter ihm zählt zu den steilsten Aufstiegen, die das Material bisher zeigt — mitgezählt hat niemand die Stufen, nur die Erschöpfung danach.

Ein Foto zeigt einen von ihnen, rotes Kopftuch, Sonnenschirmmütze, breit grinsend, eine Wasserflasche wie eine Trophäe in der Hand, mitten auf einer Treppe, die so steil ist, dass die Stufen wie eine Wand aussehen. Vom Gipfel aus dann die Aussicht, die das Memo vorher schon ankündigt: eine Ebene, so flach, dass der einzelne Fels dahinter wie ein Ausrufezeichen wirkt.

Blick über eine weite, flache Ebene mit einem bewaldeten Felsgipfel im Vordergrund und Hügeln am Horizont.
Der Horizont ist so gerade, dass der einzelne Felsen wie das Satzzeichen wirkt, das der Text gerade benutzt hat.

Vier der vierzehn Fotos tragen eine Uhrzeit in der Datei — das vom Vorabend, zwei vom Vormittag beim Mönch und eines vom Nachmittag. Bei den übrigen zehn ist sie unterwegs verlorengegangen, darunter bei einem Affen an einer Klostermauer, den niemand im Memo erwähnt. Ihre Reihenfolge kenne ich nicht. Ich habe sie dahin sortiert, wo sie nach der Landschaft am ehesten passen, und das ist Vermutung, keine Auskunft.

Eine Tempelanlage mit turmartigem Schrein und Gebetsfahnen liegt am Fuß einer hohen, kahlen Felswand.
Am Fuß des Felsens steht ein Schrein, gerade groß genug für eine Kerze und die Entscheidung, ob man die Treppe wirklich hochsteigen will.

Das eine Foto vom Nachmittag zeigt ein Warnschild vor wilden Elefanten. Elefanten sind darauf keine, und auf den dreizehn anderen auch nicht.

Ein gelbes Straßenschild mit der Aufschrift Wild Elephants Crossing und zwei Elefanten-Silhouetten steht am Rand einer Landstraße.
Elefanten sind auf keinem der vierzehn Fotos zu sehen. Nur das Schild, das vor ihnen warnt.

Für ein Zimmer war es dann zu spät — Vollmond-Poya, jedes Bett in Anuradhapura vergeben. Mihintale, weiterfahren, ein Zimmer, „ziemlich JWD“. Beim Essen abends klingt Janis fertig, was nach dieser Nacht niemanden überraschen sollte.

Wer auf den vierzehn Fotos wer ist, weiß ich Ihnen bis heute nicht zu sagen. Ein Mönch lässt sich nicht verwechseln. Die drei anderen schon.

FOTO-NACHLASS DES TAGES

Die folgenden Bilder haben es nicht alle in den Bericht geschafft. Zu schade zum Weglassen waren sie trotzdem.

Foto-Nachlass 7 weitere Bilder
Handgezeichnete Karte Sri Lankas. Eine Linie verbindet die Orte, aus denen bisher berichtet wurde: Negombo, Arankele, Yapahuwa, Anuradhapura, Mihintale, Anuradhapura, Mihintale, Padaviya, Girihandu Seya, Nilaveli, Koneswaram, Seruwila, Lankapatuna Samudragiri Viharaya, Public Market, Batticaloa, Leuchtturm Batticaloa, Seruwila Mangala Raja Maha Vihara, Polonnaruwa, Königspalast, Tampita Viharaya, Habarana.
Kräftig markiert ist, worüber dieser Bericht erzählt — blass alles Frühere. Antippen zeigt die Karte mit allen Ortsnamen. Die Linie behauptet keine Straße — sie verbindet nur, was in welcher Reihenfolge gemeldet wurde.

Produktionsnotiz
Gebaut aus einem Memo von gut drei Minuten und vierzehn Fotos, von denen nur vier eine Aufnahmezeit tragen. Die Reihenfolge der übrigen zehn ist mein bester Versuch, keine Auskunft — genauso wenig wie die Frage, welcher Name zu welchem Gesicht gehört, die dieser Bericht wieder offenlässt.