AM FLUGHAFEN UND IN ARANKELE · TAG 2 UND 3 · EINGEGANGEN ÜBER EIN MEMO, DREI RUINENBILDER UND EIN FOTO, DAS DAS WARTEN BEENDET

Der Rucksack nimmt in der Ankunftshalle beinahe mehr Raum ein als sein Träger. Schwarz, breit, mit Gurten in alle Richtungen, kommt er auf dem Foto direkt auf die Kamera zu; dahinter ein Mann mit Brille, lächelnd und offensichtlich noch in Bewegung. Nach allem, was seit dem Frankfurter Gate offen war, ist das eine erfreulich unfeierliche Form der Wiedervereinigung: kein Trommelwirbel, kein Schild mit Namen, nur ein Mensch unter sehr viel Gepäck.

Janis und Steph hatten den Tag bis dahin bemerkenswert ruhig behandelt. Sie schliefen aus, sahen sich eine Kirche und einen größeren buddhistischen Tempel an, saßen kurz in einem Café und machten sich dann zum Flughafen auf. Von Kons hatten sie seit seinem Boarding in Frankfurt nichts mehr gehört. Bekannt war nur seine Ankunftszeit. Das ist nicht viel Information, aber genug, um sich in eine Halle zu stellen und so zu tun, als wäre Warten bereits ein Plan.

Das Memo liefert den Moment ohne nachträgliche Dramaturgie:

„Nach ein bisschen warten kam Konstantin dann auch endlich in die Wartehalle und wir konnten ihn endlich begrüßen und der eigentliche Teil unserer Reise konnte beginnen.“

Zweimal „endlich“ in einem Satz ist normalerweise redaktioneller Überbestand. Hier darf er bleiben. Im letzten Bericht war Kons am Gate zurückgeblieben; nun stand er in der Halle, und aus zwei Wartenden und einem fehlenden Reisenden wurden wieder drei. Das Memo nennt den Ankommenden Konstantin; das Foto selbst liefert dafür keinen Namensbeweis. Es zeigt nur, dass jemand mit großem Rucksack sehr entschieden angekommen ist.

Danach wurde der Abend klein gehalten. Sie fuhren mit dem TukTuk zurück, Kons war nach Reise und Organisation erschöpft, und niemand versuchte mehr, aus diesem Tag noch eine Heldensage zu pressen. Vernünftig. Der „eigentliche Teil“ der Reise begann also nicht mit einer Straße, sondern mit dem kollektiven Beschluss, für heute nichts mehr zu beweisen.

Am nächsten Morgen sollte verlorene Zeit durch frühes Aufstehen zurückerobert werden. Die Zeit verteidigte sich erfolgreich. Abfahrt war erst gegen elf, halb zwölf. Steph übernahm seinen ersten richtigen TukTuk-Fahrtag; nach Anfangsschwierigkeiten lief es laut Memo zunehmend gut. Das ist die zweite verspätete Abfahrt in kurzer Folge. Ich beginne, darin weniger ein Missgeschick als eine Reisemethode zu sehen.

In Arankele wechselte die Szene von Flughafenlicht zu alten Steinen: niedrige Mauern, Platten, Stufen und ein eingefasstes Becken zwischen Bäumen. Die Ruinen wirken auf den Bildern nicht spektakulär im touristischen Sinn. Sie liegen einfach da und haben offenbar beschlossen, dass Alter als Erklärung genügt.

Verwitterte niedrige Steinmauern und Steinplatten zwischen Bäumen in einer bewachsenen Ruinenanlage.
Niedrige Mauern, Steinplatten, Wald. Die Ruinen brauchen kein zusätzliches Bühnenbild.
Zwei Reisende stehen vor einem rechteckigen, von Steinwänden eingefassten Becken in einer bewaldeten Ruinenanlage.
Das Becken sieht alt aus. Wie es genutzt wurde, sagt weder das Foto noch das Memo.

Später kamen die drei zufällig an einem noch belebten Kloster vorbei. Nach Verständigungsschwierigkeiten wurden sie in eine kleine Versammlungshalle eingeladen und erlebten ein gemeinsames Gebet, bei dem ein Mönch vorsprach und die Gemeinde antwortete. Mehr braucht die Szene nicht: erst die stummen Reste eines Klosters, dann Stimmen in einem anderen. Der hübsche Gegensatz liegt nahe, auch wenn die Fotos seine genaue Reihenfolge nicht beweisen.

Zwei braun-weiße Hunde ruhen und stehen unter einem langen Dach mit gelben Säulen; im Hintergrund führt ein Weg durch die Anlage.
Zwei Hunde unter einem gelben Dach. Von der Versammlung selbst zeigt dieses Foto nichts.

Als Janis das Memo aufnahm, waren die drei noch unterwegs, um Essen und Trinken zu besorgen. Ob das gelang, blieb offen. Vollzählig waren sie jetzt immerhin. Für alles Weitere reichte die Nachrichtenlage noch nicht.

FOTO-NACHLASS DES TAGES

Die folgenden Bilder haben es nicht alle in den Bericht geschafft. Zu schade zum Weglassen waren sie trotzdem.

Foto-Nachlass 4 weitere Bilder
Handgezeichnete Karte Sri Lankas. Eine Linie verbindet die Orte, aus denen bisher berichtet wurde: Negombo, Arankele, Yapahuwa, Anuradhapura, Mihintale, Anuradhapura, Mihintale, Padaviya, Girihandu Seya, Nilaveli, Koneswaram, Seruwila, Lankapatuna Samudragiri Viharaya, Public Market, Batticaloa, Leuchtturm Batticaloa, Seruwila Mangala Raja Maha Vihara, Polonnaruwa, Königspalast, Tampita Viharaya, Habarana.
Kräftig markiert ist, worüber dieser Bericht erzählt — blass alles Frühere. Antippen zeigt die Karte mit allen Ortsnamen. Die Linie behauptet keine Straße — sie verbindet nur, was in welcher Reihenfolge gemeldet wurde.

Produktionsnotiz
Die genaue zeitliche Zuordnung der drei Ruinenbilder innerhalb von Tag 3 ist nicht belegt. Vom weiteren Weg nach der Memoaufnahme liegt keine Nachricht vor.