MAHAOYA BIS HABARANA · 7. UND 8. SEPTEMBER · EINGEGANGEN ÜBER FÜNF MEMOS, NEUNUNDFÜNFZIG FOTOS UND WIEDER KEIN WORT VON STEPH

Der 7. September begann verdächtig gut. Konstantin saß früh auf der Terrasse der guten Unterkunft — es gab damals noch gute Unterkünfte —, trocknete Wäsche, erfragte heißes Wasser und kochte Kaffee, den er mit Steph teilte. Dann fuhren die drei los, durch grünes Tiefland, vorbei an den einzelnen Bergen, die sie schon einmal bewundert hatten. Erster Halt: heiße Quellen. Die hätten Eintritt gekostet. Also haben sich die drei nicht gewaschen, und im Memo klingt das nicht nach Verzicht, sondern nach einem Punktsieg.

Dann der Maduru-Oya-Stausee. Am Einlass eine Passkontrolle mit kleiner Diskussion — nachgeschlagen völlig folgerichtig: Der Zugang zur antiken Schleuse dort ist beschränkt und will eigentlich genehmigt sein. Konstantin fasst den Besuch in einem Telegrammstil zusammen, den ich seither bewundere:

„Stopp beim Stausee, Passportkontrolle, kleine Diskussion, Einlass zum See, toller See, kleiner Buddha, check this view.“

Hinter dem Damm aus dem zwanzigsten Jahrhundert steht eine Schleuse aus dem ersten vor Christus, und Konstantin war beeindruckt von Ingenieuren, „die nur anhand der Sterne die gleiche Position berechnen konnten“. Die Sterne habe ich gesucht und nicht gefunden. Was tatsächlich belegt ist, ist besser.

Nachgeschlagen Die antike Schleuse von Maduru Oya kam im September 1982 ans Licht, beim Baggern für den neuen Damm — auf den Monat genau 44 Jahre vor diesem Besuch. Radiokarbon-Datierung: 1. Jahrhundert vor Christus; 67 Meter lang, aus Steinplatten und Ziegeln. Von einer Berechnung nach den Sternen weiß keine Quelle etwas. Belegt ist stattdessen: Die modernen Ingenieure suchten mit heutiger Technik die beste Stelle für ihren Damm — und landeten an genau derselben wie ihre Vorgänger zweitausend Jahre zuvor.

Ein Fels mit mehreren runden, glatten Vertiefungen am Ufer eines Stausees.
Vielleicht die Schleuse, vielleicht nur Fels mit Vertiefungen — sicher bin ich nicht. Die Stelle jedenfalls stimmt; darin waren sich zwei Jahrtausende einig.

Weiter zum ersten Felsen. Er heißt Danigala, und ein Mönch zeigte ihnen das Gelände: Meditationshöhlen mit von Hand geschlagenen Tropfkanten, alte Inschriften, dazu die Auskunft, der Berg sei für Fremde aus dem All gedacht gewesen. Das ist, nachgeschlagen, keine Schrulle dieses einen Mönchs, sondern das, was dort alle erzählen — der Berg heißt im ganzen Land Alien Mountain, und 2017 ging in der Gegend ein Meteorit nieder. Für den Aufstieg hatten die drei keine Energie, weder für die Vier-Stunden-Runde noch für die kürzere. Sie haben stattdessen die Inschriften bewundert und ihre Snacks mit den Dorfbewohnern geteilt.

Der Rest des Tages gehörte einer staatlichen Agrarbehörde in Aralaganwila — aus einem spontanen Anruf wurden ein förmlicher Request Letter, ein Empfang beim Deputy Chief und eine Führung über Versuchsfelder. Beim Abschied fing es an zu schütten. Sie nahmen die nächstbeste Unterkunft. Sie war sehr günstig. Sie war frisch geputzt und roch nach Duftspray, und das Duftspray arbeitete auf Zeit.

„Im Bad haben wir irgendwie eine Kröte gefunden, die aus dem Abfluss kam, es gab Kakerlaken, die Bettzeug war fleckig und es war Schimmel an der Decke und so weiter. Das war auf jeden Fall eine sehr räudige Unterkunft.“

Ein schmutziger Fliesenboden mit offenem Abfluss, direkt daneben sitzt eine Kröte.
Die Untermieterin des Badezimmers, direkt neben ihrem Eingang.

Sie legten die eigenen Bettsachen über die fremden Laken, gingen essen, gingen schlafen und standen um halb sieben wieder auf. Um acht waren sie draußen — in Konstantins Worten „so schnell wie möglich“, um „dem Unfrieden dort“ zu entkommen. Ich hatte bei dem Wort erst an Streit gedacht. Aber der Unfrieden war das Zimmer selbst, und seine sichtbarste Vertreterin saß neben dem Abfluss.

Zwei Welpen spielen auf einer gepflegten Fliesenterrasse.
Sieben Uhr neun am nächsten Morgen: zwei Welpen, eine geputzte Terrasse. Wie die in diesen Morgen passt, können mir die Bilder nicht erklären.

Der zweite Felsen kam am nächsten Vormittag und hieß Dimbulagala. Der Empfang dort war gut besucht: Militär und Mönche gleichzeitig, dann Tempelarbeiter, dann ein Mann mit Esel, bis ein Mönch mit Englisch die drei weiterschickte — die Malereien, hieß es, seien woanders. Sie stiegen trotzdem erst auf den Berg, in großer Hitze, und sahen über die ganze Ebene. Beim Abstieg dann eine Höhle mit Malereien und bunten Reliefs. Welche Malereien der Mönch gemeint hatte, weiß ich nicht. Zwei Felsen, zwei Mönche, zwei Auskünfte — der eine blieb und erzählte, der andere schickte weiter. Ich lege das nur nebeneinander. Ein Muster ist es noch nicht.

Eine Höhlenmalerei mit einem Lebensrad, das von einem Dämonengesicht gehalten wird, daneben eine Beschriftung in singhalesischer Schrift.
Ein Lebensrad, von einem Dämon gehalten. Falls das die falschen Malereien waren, möchte ich die richtigen sehen.

Mittags dann Polonnaruwa, die alte zweite Hauptstadt: der Königspalast, Ruinen, ein Rundbau, den man für eine Bibliothek hält, ohne es beweisen zu können. Es war extrem heiß, und Janis bekam Kopfschmerzen. Unterwegs, um 11:29 Uhr, stand weit drüben am Ufer eines Stausees ein Elefant. Beide Kameras haben ihn festgehalten, und um kurz vor zwei stand er immer noch da. Man merke sich diesen Elefanten.

Ein Elefant steht weit entfernt an einem rötlich erodierten Ufer eines Stausees.
Weit weg, aber anwesend — jedenfalls verglichen mit dem Abend.

Gegen vier erreichten sie Habarana, bekamen ein sauberes Zimmer und frische Handtücher und waren dankbar auf eine Art, die man erst versteht, wenn man die Nacht davor kennt. Sie kennen sie jetzt. Um fünf fuhren sie schon wieder los, zu einem kleinen alten Tempel, dessen angekündigte Besonderheit ein Schrein ganz aus Holz war — untypisch für die Gegend, sagt Janis, wegen Witterung und Termiten. Der Schrein war klein und interessant. Die Hauptsache des Abends stand daneben und war nirgends angekündigt: ein riesiger Bodhibaum, der schönste der ganzen Reise, an einem Ort, der verlassen wirkte. Sie waren ganz allein, bis der ansässige Mönch sie empfing und herumführte. Er erzählte ihnen, der Baum sei ein direkter Nachfahre des heiligen Baums, einer von sechzehn im Land, 2300 Jahre alt.

Nachgeschlagen Die Chroniken kennen acht Ableger des großen Bodhibaums von Anuradhapura und später zweiunddreißig weitere — eine Gruppe von sechzehn kennen sie nicht, und Habarana steht auf keiner der Listen. Die 2300 Jahre sind die Zahl, die überall für den Baum in Anuradhapura genannt wird; für diesen hier nennt keine Quelle ein Alter. Widerlegt ist damit nichts. Belegt auch nichts.

Ein sehr großer Bodhibaum über einer weiß-gelben Schreinmauer mit Buddha-Nischen.
Die angekündigte Sehenswürdigkeit war der Holzschrein. Das hier stand einfach so daneben.

Der Mönch erzählt, was an seinem Ort erzählt wird — wie sein Kollege am Danigala. Und der Baum braucht die Zahlen gar nicht: Er ist so alt, dass er gestützt werden muss, mehrere Äste sind schon abgebrochen. Die drei durften ganz an den Stamm heran, bis zum Meditationsplatz des Mönchs, und fragten, wer den Baum pflegt und schneidet. Der Mönch sprach kaum Englisch. Er brachte zwei Wörter zusammen: „Professor coming.“

Zwei Wörter, und sie tragen die ganze Auskunft. Irgendwo gibt es jemanden, der von diesem Baum weiß, und er kommt. Wann, wie oft, ob er je gekommen ist — das Material schweigt dazu.

Eine Person mit langen Haaren steht mit hinter dem Rücken verschränkten Händen vor dem Stamm eines großen Baums.
Hände hinterm Rücken, andächtig. Vor diesem Baum offenbar die angemessene Haltung.

Danach war noch Tageslicht übrig und ein Plan: die Dammstraße am Stausee abfahren, an der ein Nationalpark liegt, und Elefanten in der Dämmerung sehen. Sie sahen badende Menschen, einen Sonnenuntergang, Fledermäuse, ein frettchenartiges Etwas — vermutlich ein Riesenhörnchen, beschwören kann es niemand — und einen Schwarm Flughunde, „echt riesig“, was stimmt: nachgeschlagen eine der größten Fledertierarten der Welt. Elefanten: keine. Der Elefant dieser zwei Tage hatte seinen Auftritt um 11:29 Uhr gehabt, am falschen Ufer, aber mit viel Zeit. Abends, als eigens für ihn eine Straße abgefahren wurde, ließ er sich nicht mehr blicken.

Sonnenuntergang über einem Stausee, Menschen baden im Wasser, auf einem kahlen Hügel steht ein Wasserturm.
Abendprogramm an der Dammstraße: Badende, ein Wasserturm, kein Elefant.

Konstantin hat spätabends noch ein Memo nachgereicht, und darin steht ein Satz über diese Tage, den ich nicht verbessern kann:

„Wir haben viel Leerlauf auch manchmal zwischen den Besuchen, obwohl es für uns Schlag auf Schlag geht, erleben wir jeden Tempel aufs Neue und weil die großen Erlebnisse so hervorstechen, erscheint uns unser Leerlauf auch viel zu kurz, obwohl es viel davon gibt.“

In diesem zu kurzen Leerlauf lagen diesmal: zwei Felsen, eine Schleuse, eine Behörde, eine Kröte und ein Professor, der noch kommt.

FOTO-NACHLASS DES TAGES

Die folgenden Bilder haben es nicht alle in den Bericht geschafft. Zu schade zum Weglassen waren sie trotzdem.

Foto-Nachlass 16 weitere Bilder
Handgezeichnete Karte Sri Lankas. Eine Linie verbindet die Orte, aus denen bisher berichtet wurde: Negombo, Arankele, Yapahuwa, Anuradhapura, Mihintale, Anuradhapura, Mihintale, Padaviya, Girihandu Seya, Nilaveli, Koneswaram, Seruwila, Lankapatuna Samudragiri Viharaya, Public Market, Batticaloa, Leuchtturm Batticaloa, Seruwila Mangala Raja Maha Vihara, Polonnaruwa, Königspalast, Tampita Viharaya, Habarana.
Kräftig markiert ist, worüber dieser Bericht erzählt — blass alles Frühere. Antippen zeigt die Karte mit allen Ortsnamen. Die Linie behauptet keine Straße — sie verbindet nur, was in welcher Reihenfolge gemeldet wurde.

Produktionsnotiz
Welcher Stausee an der abendlichen Dammstraße lag, konnte ich nicht klären — er bleibt darum ohne Namen. Ob das Foto mit den runden Vertiefungen wirklich die antike Schleuse zeigt, ist ungewiss; ein besseres gibt es nicht. Die Fotos ohne Aufnahmezeit sind nach dem Bildinhalt eingeordnet, nicht nach Gewissheit.