SERUWILA, OSTKÜSTE · FESTNACHT UND PANNENTAG · EINGEGANGEN ÜBER DREI MEMOS, ZWEIUNDDREISSIG FOTOS UND KEIN WORT VON STEPH

Kons stand am Donnerstag als Erster auf und ging zum Friseur. Es war der Tag der großen Prozession, und ich unterstelle keine Absicht, aber die Reihenfolge steht fest: erst der eigene Kopf, dann die geschmückten Elefanten. Was der Friseur gemacht hat, geben die Bilder nicht her; am Tag danach trägt Kons das Haar im Knoten.

„Guten Abend, liebe Recorder-App. Wir haben zwei wunderbare Tage hinter uns.“

So beginnt Kons sein Memo, und die Bilanz stimmt sogar — man muss nur einen Reifen abziehen, dazu später. Zuerst hatten die Zimmernachbarn, fünf Schulfreunde mit einem Kind, so viel gekocht, dass sie die drei kurzerhand zum Mittagessen einluden. Gewehrt hat sich, nach allem, was ich höre, niemand ernsthaft. In der Nacht darauf sind die Schulfreunde zu ihrem Zug aufgebrochen; Kons vermutet, dass man sich nie wiedersieht, und findet das „eigentlich schade“. Ich notiere nur: Die drei werden inzwischen von wildfremden Reisegruppen bekocht. Das passiert einem nicht, wenn man unangenehm ist.

Um halb zwei fuhren sie los. Um 14:42 fotografierte jemand aus dem TukTuk ein Warnschild mit Rindersilhouette, um 14:45 standen drei weiße Rinder auf der Fahrbahn. Später ein Pferd dicht neben dem Fahrzeug, dann eine Rast an einem Stand unter einem riesigen Baum, Ananas, Saft, Stahlbecher. Gegen halb fünf waren sie in Seruwila: viele Stände, viel zu kaufen, der Parkplatz noch leer.

Drei weiße Rinder stehen auf und neben einer Landstraße, ein weißes Auto kommt entgegen.
Drei Minuten nach dem Warnschild mit der Rindersilhouette. Man wünschte, alle Behörden hielten so pünktlich Wort.

Die drei suchten sich ein Plätzchen an der Straße, legten die Isomatten an eine Erdböschung und fingen an zu warten. Der Plan war: Mit der Dämmerung geht es los. Es ging nicht mit der Dämmerung los.

Ein Mann mit Vollbart vor einer Erdböschung voller wartender Menschen, der Himmel ist noch hell; daneben schläft jemand neben seinem Rucksack.
Der Himmel noch hell, der Zug noch Stunden entfernt. Der Mann, der im Sitzen schläft, hat den Abend vermutlich am besten verstanden.

Dreieinhalb Stunden lagen zwischen dem hellen Himmel und dem ersten Elefanten. Fliegende Händler kamen vorbei, es gab Ananas und Cola, Stunde um Stunde. Um 20:55 machen die drei ein Selfie: immer noch dieselbe Matte, hinter ihnen ein ganzes Feld aus Planen, Tüten und Menschen, die alle dasselbe tun, nämlich nichts. Und alle drei lachen. So ein Fest wird einem nicht vorgeführt, man ersitzt es sich — und die ganze Böschung schien das längst zu wissen.

Drei lachende Männer machen ein Selfie, hinter ihnen sitzen viele Menschen auf Planen am Straßenrand.
Stunde drei auf der Matte. Es sieht verdächtig danach aus, als gehörte das Warten selbst schon zum Fest.

Nebenbei: Das weiße Hemd und die allerletzte Hose, gekauft für genau diesen Abend, hatten ihren Einsatz. Von der Hose liegt keine Klage vor. Ich werte das als Überleben.

Um halb zehn ging es dann los, von vorn nach hinten in wachsender Größe: Peitschenknaller zuerst — es heißt, der Knall gelte als Klangopfer und mache dem Zug die Straße frei —, dann Fackelträger und Feuerjongleure, Trommler in weißer Tracht, Tanzgruppen, Maskentänzer mit gefletschten Zähnen, und immer wieder Elefanten, deren Ohren und Rüssel mit Glühbirnen nachgezeichnet waren. Ganz am Ende trugen drei Elefanten nebeneinander einen golden erleuchteten Schrein vorbei.

Ein Elefant in goldgelber Decke, Ohren und Rüssel sind mit orange leuchtenden Glühbirnen besetzt, auf ihm ein Reiter in Weiß.
Der erste Elefant des Zuges, 21:43. Ohren und Rüssel sind mit Glühbirnen nachgezeichnet, sodass vom Tier vor allem ein Umriss aus Licht bleibt.

Nachgeschlagen Es war kein Dorffest. Die 103. Seruwila Sri Lalata Dhatu Maha Perahera wurde vom Stoßzahnelefanten Miyanraja aus dem Zahntempel in Kandy angeführt; Minister und Gouverneur waren da, die singhalesische Presse berichtete am Morgen danach. Verehrt wird am Tempel Seruwila Mangala Raja Maha Vihara die Stirnknochenreliquie Buddhas — nicht der berühmte Zahn, der liegt in Kandy. Und dass am Schluss drei Elefanten nebeneinander gehen, ist keine Laune der Aufstellung, sondern die Form: In der Mitte trägt einer den Schrein, links und rechts geht je ein Begleiter.

Anfang der Woche standen die drei noch am Landepunkt der Zahnreliquie, jetzt beim Stirnknochen. Zwei Reliquien, dieselbe Küste, wenige Tage Abstand.

Die Bilder des Abends haben eine eigene Dramaturgie, für die niemand posiert hat: Bis 22:42 sitzt das Publikum auf jeder Aufnahme, um 23:40 steht es und reckt Handys. Die Stunde dazwischen fehlt. Ich vermute, genau dort kam der Zug bis zu ihnen — belegt ist nur, dass irgendwann niemand mehr saß.

Geschmückte Elefanten unter einem grün-goldenen Baldachin mit einem hell erleuchteten goldenen Aufsatz; das Publikum steht und hält Telefone hoch.
Der Schrein, für den alle gekommen waren. Zum ersten Mal an diesem Abend steht die Böschung.

Was am stärksten war? Kons sagt: die Peitschenknaller. Steph sagt: die Trommler und die schiere Menge an Menschen. Janis sagt: die vielen Snacks und die Stimmung. Dieselbe Nacht, dieselbe Matte, drei Antworten. Sollten Sie die drei später einmal nach Seruwila fragen, rechnen Sie mit drei verschiedenen Prozessionen.

„Ja, und als dann die Parade zu Ende war, ging das Abenteuer auch erst noch mal so richtig los, weil dann diese ganzen tausenden Menschen auf einmal nach Hause wollten. […] Na ja, waren wir auf jeden Fall alle gut am Arsch.“

Steph saß auf dem Heimweg am Lenker; weit nach Mitternacht lagen alle im Bett.

Am Freitag schliefen die drei aus, ließen beim Auszug ihr Spülmittel stehen und fuhren gegen Mittag los, ohne recht zu wissen, wohin. Um 14:36 hielten sie an: Am Straßenrand, hinter einem Wasserlauf voller blühender Wasserhyazinthen, stand ein Elefant. Der erste wilde der ganzen Reise. Am Abend davor Elefanten in Samt und Glühbirnen, am Mittag danach einer, der niemandem gehört und nichts trägt — eine bessere Reihenfolge kann man nicht buchen. Zehn Minuten blieben sie stehen, zwischen Gruppe und Tier lag das Wasser, was vermutlich allen Beteiligten recht war.

Eine Person stützt sich von hinten gesehen auf ein weißes Brückengeländer und blickt über einen Wasserlauf zu einem Elefanten im Grün.
Der erste wilde Elefant der Reise, und dazwischen freundlicherweise ein Wasserlauf.

Eine Dreiviertelstunde später war der Reifenmantel hin. Ersatzrad drauf — wobei der, Janis‘ Worte, „wirklich nur ein Ersatzreifen“ ist —, damit zur nächsten Werkstatt. Dort begannen Telefonate mit der Vermietung, und mitten hinein setzte Regen ein, so laut auf dem Wellblechdach, dass Janis am Telefon fast nichts mehr verstand. Wer dabei was genau ablehnte, erzählen die Memos unterschiedlich; ich ziehe das nicht zu einer Fassung zusammen. Belegt ist das Ende: Die drei kauften den neuen Reifen selbst, für etwa 20 Euro — Janis sagt 20, Kons sagt 17, beide runden nur in ihre Richtung, und beides liegt im ortsüblichen Preis.

Ein Mann mit langen Haaren hockt mit Werkzeug an einem Rad des TukTuk und grinst schief in die Kamera.
Kurz nach dem Schaden grinst Kons noch schief. Man merke sich dieses Grinsen — es hat den Nachmittag nicht überlebt.

Der Rest des Tages steht in einem einzigen Gesicht. Kons trägt am Freitag durchgehend dasselbe sandfarbene Shirt, und darüber wechselt der Tag die Ausdrücke: schiefes Grinsen am platten Rad, gar kein Ausdruck um 16:26 auf einem Schemel in der Werkstatt — drei Männer im Raum, einer telefoniert, einer arbeitet am Boden, keiner redet mit keinem —, und um 19:21 heruntergezogene Mundwinkel über einem vollen Tisch. Ein Mensch, ein Hemd, drei Uhrzeiten. Mehr Chronik braucht dieser Tag nicht.

Um 18:05 brennt über frischen Pfützen ein orange-rosa Abendhimmel, als hätte der Tag nichts davon mitbekommen. Um 19:21 gibt es Reis, Curry und Zwiebelringe.

Zwei Männer an einem Edelstahltisch mit Reis, Currysoße und Zwiebelringen.
Am Essen lag es nicht.

FOTO-NACHLASS DES TAGES

Die folgenden Bilder haben es nicht alle in den Bericht geschafft. Zu schade zum Weglassen waren sie trotzdem.

Foto-Nachlass 23 weitere Bilder
Handgezeichnete Karte Sri Lankas. Eine Linie verbindet die Orte, aus denen bisher berichtet wurde: Negombo, Arankele, Yapahuwa, Anuradhapura, Mihintale, Anuradhapura, Mihintale, Padaviya, Girihandu Seya, Nilaveli, Koneswaram, Seruwila, Lankapatuna Samudragiri Viharaya, Public Market, Batticaloa, Leuchtturm Batticaloa, Seruwila Mangala Raja Maha Vihara, Polonnaruwa, Königspalast, Tampita Viharaya, Habarana.
Kräftig markiert ist, worüber dieser Bericht erzählt — blass alles Frühere. Antippen zeigt die Karte mit allen Ortsnamen. Die Linie behauptet keine Straße — sie verbindet nur, was in welcher Reihenfolge gemeldet wurde.

Produktionsnotiz
In der Werkstattfrage — Vermietung oder Versicherung, Schlauch oder Fahrzeugtausch — gehen die beiden Memos auseinander. Ich habe sie nicht zu einer Fassung verschmolzen, weil die eine, die dabei herauskäme, in keinem der beiden steht.