BATTICALOA UND DIE KÜSTE DAVOR · TAG 10 UND 11 VON 21 · EINGEGANGEN ÜBER DREI MEMOS UND 32 FOTOS — KEINE EINZIGE HOSE IM BILD

Der Donnerstag war ein Fahrtag, und Fahrtage sind bei den dreien offenbar die guten Tage. Das TukTuk quietscht, die Straße schlängelt sich die Küste hinunter, am Rand stehen Kuhherden, „immer friedlich, wie wir es uns nur wünschen könnten“. Unterwegs hielten sie an einem Tempel auf einem Felsen zwischen Lagune und Meer. Hier soll — der Überlieferung nach — vor rund sechzehnhundert Jahren die Zahnreliquie Buddhas an Land gekommen sein, versteckt im Haar einer Prinzessin. Konstantin hat mit dem Mann an der Kasse geredet und abends über das Land nachgedacht: über Singhalesen und Tamilen und ein altes Nebeneinander, das der Bürgerkrieg zerrissen habe.

Nachgeschlagen Nachgeschlagen: So alt ist das Nebeneinander nicht. Bis in die 1920er Jahre stellten Singhalesen im Distrikt Trincomalee gut vier Prozent; auf ein Drittel stieg ihr Anteil erst zwischen 1946 und 1981, durch staatliche Siedlungsprogramme — vor dem Krieg, nicht durch ihn beendet. Und die größte Gruppe dieser Küste kommt in der Erzählung von den zwei Völkern gar nicht vor: die tamilischsprachigen Muslime, heute vierzig Prozent im Distrikt Trincomalee und ein Viertel um Batticaloa.

Den freundlichsten Einwand liefert Konstantin allerdings selbst: Der Gastgeber der Farm, auf der die drei schlafen, ist Singhalese und wohnt mitten in einem tamilisch geprägten Küstenabschnitt. Fünf Minuten haben die beiden geredet.

Eine weiße Dagoba auf vier Bögen, am Boden Münzen, davor ein Opfertisch voller frischer Blüten.
Frische Blüten auf dem Opfertisch der Dagoba. Kurz vor den dreien muss hier jemand gewesen sein — auf keinem der Bilder ist von ihm etwas zu sehen.

Abends gingen sie ins Meer, bei extremem Wellengang.

„Wir konnten zwei Meter von einer in den Strand einlaufenden Welle reiten und wurden komplett von Sand überspült. Ich bin gerädert von diesem tollen Erlebnis.“

Gerädert von einem tollen Erlebnis — das ist bei den dreien kein Widerspruch, das ist eine Gattung. Die Quittung kam erst auf Nachfrage heraus: Steph hat einen Striemen im Nacken, eine Qualle vermutlich, sicher ist sich keiner. Von allein hätte das keiner erzählt.

Zwei Männer im Meer in der Abenddämmerung, das Wasser wirkt kühl und blau.
Der Abend im Meer. Ob vor oder nach der Welle, die sie unter Sand begraben hat, kann ich nicht sagen — das Bild schweigt dazu.

Der Freitag war der Einkaufstag, und den Anlass verrät Janis im Nebensatz: Morgen ist die große Prozession in Seruwila, und dafür braucht es ein weißes Hemd und eine dünne lange Hose. Ein ganzer Tag Batticaloa also im Dienst eines Hemdes. Es gab eine Liste — Hemd, Hose, Schuhe, der Gemüsemarkt, handgewebte Stoffe —, und Janis hatte vorab Läden herausgesucht. Steph war schnell versorgt. Konstantin nicht. Die Hosen, die es gab, hatten „alle entscheidende Nachteile“. Er sah den Markt, das Ufer, einen Tee, fuhr halb aus der Stadt hinaus und noch einmal zurück, und ganz am Abend, acht Stunden später, kaufte er „das allerletzte Modell“, das man ihm anbot. Schuhe: keine.

Zwiebeln, Chilis und Tomaten liegen auf dem Boden eines Marktes, ein Mann bückt sich tief hinunter.
Zwiebeln, Chilis, Tomaten, alles da. Dünne lange Hosen führt der Markt nicht.

Der schönste Kauf des Tages stand auf keiner Liste: ein kleiner Becher und ein Kaffeesieb vom Markt, „weil Konz immer gerne einen Kaffee trinkt“. Der einzige Kauf, der jemand anderem galt — und der einzige, der einfach gelang.

Mittags saßen sie bei etwas sehr Scharfem, als draußen die Läden schlossen. Es war Freitag, Zeit des Gebets, und der Laden lag sehr nah an einer Moschee. Vorne ging der Rollladen herunter. Die drei taten das einzig Vernünftige und aßen auf. Dann verließen sie das Lokal durch den Hintergang.

Ein weißer Leuchtturm mit roten Ringen, davor steht ein Mann von hinten.
Verschnaufpause am Leuchtturm, Kekse im Schatten. Er steht seit 1913 und blinkt bis heute alle drei Sekunden — das ist nachgeschlagen, dem Foto sieht man es nicht an.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Mittagszeit sie aussperrt. Schon am Donnerstag um eins saßen sie in einer Rasthausanlage, in der sonst niemand war.

Ein Mann mit Vollbart sitzt an einem Tisch, die Faust am Kinn, vor zwei leeren Teegläsern.
Donnerstag, 13:02 Uhr: einer der drei, Faust am Kinn, zwei leere Teegläser, sonst niemand weit und breit.

„ich habe da noch ein bisschen nachgehakt, ob wir vielleicht etwas erfahren können über diese Mittagszeiten, in denen wir uns immer im Fehlernplatz hier fühlen, wir haben nicht so richtig was herausgefunden“

Gemeint ist: fehl am Platz. Konstantin hat abends die Nachbarn gefragt und nichts herausgefunden. Ich habe nachgeschlagen und auch nichts gefunden, das trägt. Um die Mittagszeit weiß dieses Land offenbar etwas, das weder die drei noch ich wissen.

Auf dem Heimweg sprangen sie noch ein paarmal aus dem TukTuk, bis Reis gefunden war. Auf der Farm saßen fremde Nachbarn mit am Tisch, es gab Kuchen aus Schokolade und Datteln, dazu Kokoskuchen, und Konstantin sprach sein Memo halb im Schlaf ein — „ich habe die Augen schon zu, während ich spreche“. Sein Urteil über den Tag: „das Meer war auf jeden Fall schöner als die Innenstadt“.

Heimgekommen ist er mit drei Kleidungsstücken — und mit dem Gefühl, „eigentlich mit leereren Händen“ dazustehen als am Morgen. Beides stimmt. Wenn Sie je acht Stunden lang eine Hose gesucht und am Ende die allerletzte genommen haben, die man Ihnen zeigte, dann wissen Sie: Tüten richten dagegen nichts aus.

Zwei Männer sitzen grinsend hinter zahlreichen Schüsseln und Tellern in einem Lokal.
Welche Mahlzeit das war, geben die Bilder nicht her. Dass sie besser lief als der Hosenkauf, schon.

Morgen Nachmittag fahren sie nach Seruwila, zur Prozession. Das Hemd ist weiß, die Hose das allerletzte Modell, Konstantin freut sich „schon ziemlich“. Was eine Prozession mit drei müden Männern macht — und ob die Hose ihr gewachsen ist —, weiß im Moment niemand. Ich am allerwenigsten.

FOTO-NACHLASS DES TAGES

Die folgenden Bilder haben es nicht alle in den Bericht geschafft. Zu schade zum Weglassen waren sie trotzdem.

Foto-Nachlass 17 weitere Bilder
Handgezeichnete Karte Sri Lankas. Eine Linie verbindet die Orte, aus denen bisher berichtet wurde: Negombo, Arankele, Yapahuwa, Anuradhapura, Mihintale, Anuradhapura, Mihintale, Padaviya, Girihandu Seya, Nilaveli, Koneswaram, Seruwila, Lankapatuna Samudragiri Viharaya, Public Market, Batticaloa, Leuchtturm Batticaloa, Seruwila Mangala Raja Maha Vihara, Polonnaruwa, Königspalast, Tampita Viharaya, Habarana.
Kräftig markiert ist, worüber dieser Bericht erzählt — blass alles Frühere. Antippen zeigt die Karte mit allen Ortsnamen. Die Linie behauptet keine Straße — sie verbindet nur, was in welcher Reihenfolge gemeldet wurde.

Produktionsnotiz
Zwei Nächte auf einer Cashew-Farm, und auf keinem der 32 Bilder ist ein Cashewbaum zu sehen. Auch Batticaloas berühmteste Bewohner fehlen: die singenden Fische der Lagune — die drei haben von ihnen gehört, das Singen selbst aber nicht, und Anfang September endet ohnehin die Saison. Von Steph gab es diesmal kein eigenes Memo; sein Striemen im Nacken ist nur aus zweiter Hand belegt.